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Schweige-Retreat

Schweige-Retreat

 

Im Rahmen meiner Yogalehrerausbildung habe ich an einem Schweige– und Meditations-Retreat teilgenommen. Das war mein erstes Seminar in dieser Form und ich bin mir nicht sicher, ob ich mich aktuell aus freien Zügen zu solch einer Veranstaltung angemeldet hätte. Unsere Ausbildungsgruppe und 3 externe Teilnehmer haben von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag zusammen in einem Seminarhaus verbracht. Wir hatten Asana– und Pranayama-Praxis, verschiedene Meditationen (geführt, frei, Gehmeditation) und kurze Vorträge.

Meine besondere Herausforderung war, dass ich zu diesem Zeitpunkt meinen ersten grippeähnlichen Virus hatte, der mich total umgehauen hat. Ich habe mich in den letzten Wochen zu wenig um mich gekümmert und mir fast keine Auszeiten genommen. Das ist kein neues Problem von mir, aber ich habe es mal wieder nicht ernst genug genommen. Leider habe ich als Selbstständige diesbezüglich auch nicht immer eine Wahl. Daher war das Retreat begleitet von Hustanfällen und allgemeiner Niedergeschlagenheit vermutlich noch etwas intensiver für mich, als es in gesundem Zustand gewesen wäre.

 

Ich habe drei sehr schöne Fragen von Euch erhalten, deren Beantwortung das ganze Retreat gut zusammenfassen.

 


"Ist es Dir schwer gefallen?"

 

Nein. Zum einen natürlich durch meinen krankheitsbedingten Stimmverlust. Aber auch so wäre es mir nicht schwer gefallen. Obwohl ich sehr gerne, sehr viel und auch sehr schnell rede, kann ich auch gut zu schweigen und zuhören – echt wahr! Ich habe mir vorher auch keine großen Gedanken gemacht, ob es mir schwerfallen wird. Ich habe es einfach auf mich zukommen lassen und es als sehr angenehm empfunden. Man muss keinen erzwungen Small–Talk halten, nicht auf alles sofort antworten, sich nicht erklären und somit auch nicht darüber nachdenken, was man sagt. Auch die Floskeln fallen weg. Sätze wie "Guten Morgen" "Guten Appetit" "Und, hast du gut geschlafen?" "Wie hat Dir die Meditation gefallen?" "Das Essen ist aber lecker" etc. fallen einfach weg! Man muss nicht überlegen, wem man jetzt noch keinen guten Morgen gewünscht hat oder sich nicht mit Worten bedanken, wenn einem die Türe aufgehalten wird. Und es funktioniert trotzdem. Das war eine der größten Erkenntnisse für mich. Wir sagen den ganzen Tag so viele Dinge – und viele davon sind eigentlich noch leere Worte und gar nicht notwendig. Das gehört einfach zu unserem Wesen und Sozialverhalten. Das ist auch gar nicht schlecht – aber es ist eben mal schön zu sehen, dass es auch ohne geht. 

Ich hätte ehrlich gesagt noch länger schweigen können. Aber es hat mir gefehlt, dass überhaupt geredet wird. Und das Lachen. Ich hätte niemals gedacht, dass mir der Laut von Lachen am meisten fehlen würde – obwohl auch das eigentlich so naheliegend ist. Die Gefühle sind trotzdem da und wenn man sie nicht durch Laute zum Ausdruck bringen kann, werden sie anders spürbar. So hatte ich manchmal das Gefühl, dass die Stimmung kurz vor dem Kippen stand. Vor allem beim Essen. Beim Essen nebeneinander zu sitzen und nicht zu reden ist vielen schwer gefallen und sie sind in ein Stimmungstief abgerutscht. Ich selbst habe es nicht als schlimm empfunden und mich gefreut, dass ich in Ruhe mein Essen genießen kann. Ab und zu kam ein Gedanke oder ich hatte einen Ohrwurm, aber das Essen und der Geschmack standen im Vordergrund. Wie oft essen wir, reden dabei und bekommen gar nicht mit, wie unser Essen schmeckt oder wie viel wir schon gegessen haben? 

 


"Durftest Du in der Zeit lesen/schreiben?"


Wir wurden drauf hingewiesen, dass es Seminare gibt, bei denen auch das Lesen verboten ist. Uns wurde es nicht verboten. Es sollte allerdings Lesestoff sein, der etwas mit Yoga zu tun hat. Macht auch Sinn – ein aufregender Krimi wäre bei so einem Retreat fehl am Platz. Ich habe nur wenige Seiten in "Gesund durch Yoga" von Indra Devi gelesen. Ich war einfach zu müde und wollte nicht noch mehr Eindrücke in meinen Kopf lassen.
Zum Schreiben wurden wir ermutigt. Wir sollten ein Tagebuch/Journal darüber schreiben, wie es uns mit dem Schweigen und Meditieren geht und was es mit uns macht. Ich habe 8 DIN A 4 Seiten geschrieben und es hat mir sehr geholfen. Zum einen musste ich mich mit manchen Dingen nicht mehr beschäftigen nachdem ich sie zu Papier gebracht hatte, zum anderen konnte ich manche Gedanken und Gefühle erst durch das Schreiben benennen. Anita hat auch gemeint, dass es auch interessant und hilfreich sein wird, wenn wir später mal wieder diese Aufzeichnungen lesen werden.

Hier möchte ich noch kurz das Thema Handy aufgreifen. Auch hier wurden uns keine Auflagen gemacht. Ich habe meine Benachrichtigungen für Facebook, Instagram und E-Mail ausgeschalten und die Apps kein einziges Mal geöffnet. Bei WhatsApp habe ich nur wenige Nachrichten mit meiner Mama und Sebastian geschrieben – einfach weil ich es so wollte. Ansonsten habe ich mein Handy nur als Wecker benutzt und abends kurz ein bisschen ruhige Musik gehört, damit es nicht ganz so still ist. Und es hat mir total gut getan (fast) offline zu sein!

 

 

"Wo war das Schweige-Retreat?"

 

Das Retreat war in Hammersbach (bei Hanau) im Kapellenhof. Ein Seminarhaus, das liebevoll eingerichtet ist und eine warme Ausstrahlung hat. Die Leiter sind wahnsinnig lieb und das Essen köstlich! Anita Burkhart-Röser und Christina Salzmann waren unsere bezaubernden Referentinnen. Die beiden arbeiten schon seit vielen Jahren zusammen und das merkt man. Mit ganz viel Liebe zum Detail passen sie ihre Seminare auf die jeweilige Gruppe ab. Wir haben uns alle sehr gut aufgehoben gefühlt und das Wochenende war von großem Vertrauen geprägt.

 

 

 

Fazit

 

Das Retreat war sehr erhellend - ich denke das Wort trifft es ganz gut. Ich hatte viel Zeit für mich und mit mir. Mir wurde wieder besser klar, was ich will und auch was ich nicht (mehr) will. Vor allem habe ich für mich mitgenommen, dass ich nichts erzwingen muss. Ich muss (wieder) besser auf mich selbst Acht geben und mir mehr Raum geben. Ich muss weniger Erwartungen an mich haben und nicht handeln, weil ich denke, andere erwarten das so von mir. Ich muss mich von dem Druck lösen, den ich mir hauptsächlich selbst mache. Ich muss entschleunigen. Ich muss nichts müssen! 

 

 

Kleine Achtsamkeits-Übung

 

 

↝ überlege Dir doch auch mal, was Du gerade in deiner aktuellen Situation

gut und/oder schlecht findestund was Du gerne ändern würdest

↝ stelle Dir einen Wecker, setze Dich 5 Minuten hin - gerne mit geschlossenen Augen

↝ lasse die Gedanken einfach kommen und gehen, ohne daran fest zu halten oder sie weg zu schicken

↝ schreibe danach kurz auf, was Dir in den Kopf gekommen ist, um mehr Klarheit darüber zu erlangen

↝ sei dabei nicht zu streng mit dir und erzwinge nichts!

 

 

 

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