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Mein persönliches Alphabet

Mein persönliches Alphabet

Bei welchem Buchstaben ich angekommen bin und wie es für mich ab hier weitergeht.

 

Meine Schwester hat mir vor 2,5 Jahren diese Postkarte geschenkt. Das war gerade zu der Zeit, als ich mein Architekturstudium nach 2 Jahren abgebrochen hatte. Die Karte hängt immer noch an meiner Magnetwand und ich muss jedes Mal lächeln, wenn ich sie sehe. Nach dem Abitur und dem anschließenden Architekturstudium habe ich noch einige Buchstaben durchprobiert:

 

Plan A = Abiturientin, Architekturstudium

Plan B = Brauereiführungen, Bedienung, Bloggerin

Plan E = Eisverkäuferin, Ernährungsberater-Fernstudium -> Ernährungsberaterin

Plan F = Floristen-Helferlein

Plan H = Heilpraktiker-Fernstudium

Plan M = Mediengestalter-Ausbildung, Museumsführungen

Plan S = Stadtführungen, Schreiner-Helferlein

Plan T = Tuppertante

Plan V = Verkäuferin

Plan W = Weihnachtsdeko-Expertin

Plan Y = Yogalehrerin

 

Endlich ist es so weit und ich darf euch verraten, was ich euch die ganze Zeit verheimlichen musste! Das ein oder andere ist ab und zu mal durchgesickert, aber wahrscheinlich eher unbemerkt geblieben. Im „richtigen Leben“ habe ich es auch schon einigen Bekannten erzählt, hier musste ich mich aber noch etwas zurückhalten.

 

Von Vorne..

So jetzt aber erstmal von vorne, wie alles losging. Ich habe jetzt fast zwei Jahre in Dorfprozelten gewohnt, ein kleiner Ort „um die Ecke“. Warum? Weil der Sebastian von dort kommt und weil ich damals ein paar Orte weiter eine Ausbildung zur Mediengestalterin angefangen hatte. Nach 3 Monaten habe ich diese aber wieder aufgehört und von da an eigentlich wieder fast ausschließlich in Miltenberg (Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin und wo ich bis zum Studium in Würzburg gewohnt habe). Unabhängig von meiner beruflichen Situation war von Anfang an klar für mich, dass ich früher oder später wieder nach Miltenberg ziehen will. Meine Mutter hat seit 40 Jahren ein Klamottengeschäft und meine Schwester seit fast 5 Jahren ein Eiscafé in der Miltenberger Altstadt. Das heißt so viel wie: wir kennen sehr viele Leute hier und bei uns ist immer was los. Ich selbst mache seit über 5 Jahren Stadtführungen in der Stadt und bin hier einfach Zuhause. So richtig erklären kann ich eigentlich nicht, wieso ich unbedingt nur hier sein will – aber es ist einfach so. Daher war ich ständig allen Leuten in den Ohren gelegen, dass ich wieder herziehen will. Und ihr könnt sicher euch vorstellen, wie anstrengend das für die anderen sein kann! :D

 

Als ich 6 Jahre alt war, haben sich unsere Eltern scheiden lassen und ich bin mit meiner Mama zu meinen Großeltern ins Haus gezogen. Wir hatten den ersten Stock und einen ausgebauten Speicher für uns und haben dort gewohnt, bis ich zum Studieren nach Würzburg bin und meine Mama in die Altstadt gezogen ist. Kurz danach ist meine Oma ins Altenheim gekommen und meine Schwester, die nach uns im ersten Stock gewohnt hat, ist auch in die Altstadt gezogen. Das Haus wurde dann in zwei Wohnungen aufgeteilt, renoviert und vermietet. Mieter waren schnell gefunden. Nachdem ich in den letzten 5 Jahren in verschiedenen Miethäusern gewohnt hatte, war für mich recht schnell klar, dass ich wieder in unser eigenes Haus ziehen möchte. Rein vom Gefühl her kam für mich eigentlich nur unsere alte Wohnung im ersten Stock infrage. Ich bin ja jetzt schon zehn Mal umzogen, habe aber tatsächlich noch nie im Erdgeschoss gewohnt – und es auch nie vermisst. Dann kam irgendwann die Idee, dass ich in Zukunft ja als Yogalehrerin arbeiten möchte; also könnte ich doch im Speicher eventuell Yogakurse geben. Die Idee hat meine Mama gleich verworfen, mit der logischen Begründung, dass ich die Leute nicht durch meine Wohnung laufen lassen kann. Dann der AHA-Moment. Ich soll ins Erdgeschoss ziehen und in einem Anbau, den mein Opa damals gebaut und der in den letzten Jahren nur als Abstellkammer genutzt wurde, mein Yogastudio umbauen. Aus einer kleinen, vielleicht im ersten Moment gar nicht einmal so ernst gemeinten Idee, wurde nach und nach unser neues Projekt.

 

Und dann wurde es ernst..

Im Spätsommer haben wir unseren Mietern unseren Plan mitgeteilt. Das Ehepaar hat daraufhin mit ihren zwei kleinen Kindern ein Haus gesucht und letztendlich auch gefunden und wir haben uns darauf geeinigt, dass sie im März 2018 ausziehen werden. Im ersten Moment hat mich das total genervt, dass das alles so lang gedauert hat, aber im Nachhinein bin ich froh darüber. Ab November haben wir dann langsam angefangen das Yogastudio zu planen und uns einige Male mit einem bekannten Architekten getroffen. Bei der Planung kam mir mein angefangenes Architekturstudium zugute – soll mal jemand sagen, dass das sinnlos war! Naja jedenfalls war das in letzter Zeit neben Arbeiten, (Zwischen)Umzug, Lernen, Weihnachten und was sonst noch so angefallen ist ein ganz schönes Auf und Ab – Hovercraft! Ich könnte mich jetzt noch über viele sinnlose Vorschriften, unfreundliche Beamte oder diese „§$%&/()=? Bürokratie im Allgemeinen aufregen – aber was würd’s bringen?

 

Ich kämpfe seit Wochen jeden Tag dafür meinen Traum zu verwirklichen. Der eigentliche Kampf steht mir jedoch noch bevor: ein Umbau, der Start in die Selbstständigkeit und alles was dazu gehört. Angst, Vorfreude, Unsicherheit, Hysterie, Euphorie – ich befinde mich in einer Achterbahn der Gefühle und bin dankbarer denn je um die Menschen in meinem Leben, die mit mir im Wagen sitzen und mich unterstützen, wo es nur geht. Niemals könnte ich dieses Projekt umsetzen ohne meine Familie, meinen Freund und seine Familie, meine mittlerweile sehr wenigen guten Freunde und meine Yogalehrerin.

Auch ihr, die wundervollen Menschen, die ich durch Instagram kennenlernen durfte seid sowohl eine Inspiration, als auch eine Motivation und Unterstützung für mich und endlich darf ich’s euch erzählen.

 

Und das war erst der Anfang..

Ende Januar ist der Plan für mein Yogastudio im Bauausschuss, im März werden wir ein (hoffentlich) letztes Mal umziehen und die Umbauten anfangen. In den nächsten Wochen, wenn alles geklärt ist kann ich mein Gewerbe anmelden und mich unter anderem mit vhs- und Vertretungskursen schon auf meinen großen Traum vorbereiten. Ich weiß, dass die nächste Zeit nicht leicht wird – vor allem für die Menschen um mich herum! Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es jeden Moment und jede gute, sowie schlechte Erfahrung wert sein wird. Ich kann es kaum erwarten Euch endlich auf diese Reise mitzunehmen!

Vielen, vielen Dank für eure Geduld und eure Unterstützung!


Entschuldigung noch an alle die enttäuscht sind, dass es hier „nur“ um eine Selbstständigkeit und ein eigenes Yogastudio geht – auf Skandale, Schwangerschaft oder was einem bei Geheimnissen sonst so durch den Kopf schießt müsst ihr noch etwas warten - in meinem Alphabet sind ja auch noch ein paar Buchstaben offen! #goodvibesonly