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Meine ersten Vertretungsstunden

Meine ersten Vertretungsstunden

für meine Yogalehrerin / Yogalehrer-Ausbilderin

Nach dem Blogeintrag über meine erste Vorführstunde, schreibe ich nun etwas über meine ersten Yogakurse, die ich vertreten durfte. Die Vertretungsstunden habe ich ab der Woche nach der Vorführstunde gegeben. 

Neulich kam dann meine Yogalehrerin auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich 2 ihrer Kurse vertreten würde, während sie in Indien ist. Da war ich erstmal ziemlich perplex und überfordert, aber habe natürlich zugesagt, gleich meinen Kalender rausgekramt und die Termine eingetragen. Auch das war dann für mich noch ganz weit weg. Zwei Wochen später hat sie mich gefragt, ob ich doch noch einen weiteren Kurs übernehmen könnte. Auch dafür habe ich natürlich zugesagt. Weitere zwei Wochen später bin ich bei allen Kursen, die ich dann vertreten sollte mitgegangen um die Gruppen und ihre „Besonderheiten“ kennenzulernen. Meine Yogalehrerin hat mich vorgestellt und alle haben mich mit erwartungsvollen Blicken begrüßt und ich habe mir gleich Gedanken gemacht, ob ich diesen Erwartungen wohl gerecht werden kann.

Yoga mit den "Knackis"

Der eine Kurs war Dienstag von 10:00–11:00 „Yoga Ü50“, wobei glaube ich „Ü65“ eher passt :D. Die Damen selbst nennen sich auch liebevoll „Knackis“ und sind alle total goldig. Und gesprächig sind sie.. da muss man erstmal für Ruhe sorgen, bis man endlich anfangen kann. Was ich schon gemerkt hatte, als ich mir den Kurs angeschaut hatte, dass die Ladies für ihr Alter noch ganz schön beweglich sind. Das war dann wieder einmal eine Bestätigung, dass regelmäßig Yoga ganz einfach fit hält. Ich habe für den Kurs relativ einfache Asanas gewählt und auch viel mit Dehnungen gearbeitet. Das kam auch gut an und alle waren wirklich glücklich mit mir als Vertretung. Heute ist vorerst der letzte Tag, an dem ich den Kurs vertreten werde. Anschließend werde ich als Dankeschön zum Kaffee eingeladen, das haben sie mir nach der letzten Stunde schon gesagt, damit ich mir dafür Zeit nehme. Ist das nicht lieb? Ich freue mich auf jeden Fall schon darauf :)

 

Yoga für Frühaufsteher & Yoga mit Vorkenntnissen

Dann hatte ich noch Donnerstag morgens zwei Kurse hintereinander. Der von 8:00–9:00 „Yoga für Frühaufsteher“, den ich normal auch besuche und mit mir meistens 5–9 Damen. Anschließend „Yoga mit Vorkenntnissen“ von 9:00–10:15 mit 12–15 Personen, davon sogar ein Mann. Für die beiden Kurse konnte ich größtenteils den selben Ablauf nehmen. Auch hier waren alle begeistert. Ich habe auch ein paar anatomische Fragen beantworten können und eine Dame war total begeistert, weil sie morgens solche Schulterschmerzen hatte, die danach komplett verschwunden waren. Wie schön sowas zu hören! :)

 

Erstens kommt es anders..

.. zweitens, als man denkt! So war das eigentlich geplant, aber wie ich schon mehrfach erwähnt habe, läuft bei mir nicht immer alles nach Plan. Es gibt nämlich noch zwei Abendkurse „Yoga mit Vorkenntnissen“ 19:00–20:15 und „Yoga mit Entspannung" 20:15–21:30. Diese Kurse hat eigentlich eine Kollegin, die auch die Yogalehrerin macht, vertreten. Sie macht das schon seit einiger Zeit und kennt daher die Kurse. Am ersten Donnerstag hatte sie abends eine Veranstaltung in der Schule (sie ist Gymnasiallehrerin) und hat mich darum gebeten, dass ich den ersten Kurs abends vertreten soll und sie dafür den ersten Kurs morgens macht. Das habe ich natürlich auch gerne für sie gemacht. Mittags hat sie dann nochmal angerufen und gemeint, sie müsste doch länger in der Schule bleiben, ob ich auch den zweiten Kurs abends vertreten könnte. Da müsste man auch nicht viel mehr beachten, nur ab und zu kommt jemand, der vor ein paar Jahren einen Schlaganfall hatte und da soll ich halt ein paar Variationen anbieten. Auch dazu habe ich ja gesagt und mir eigentlich weiter keine Gedanken gemacht, ich war auch den ganzen Mittag im Blumenladen arbeiten und gut abgelenkt. Nach dem Feierabend im Blumenladen bin ich dann also zum Yogaraum gefahren und war schon total müde und habe gemerkt, dass die Erkältung, gegen die ich seit einer Woche angekämpft hatte, langsam doch rauskommen möchte. Im ersten Kurs waren 8 Damen und ich konnte problemlos die Übungen von den Kursen von morgens machen. Das kam gut an und auch in diesem Kurs waren alle wieder happy mit mir als Vertretung. Zum letzten Kurs kam dann der besagte Herr, der vor ein paar Jahren den Schlaganfall hatte und dadurch körperlich wirklich sehr stark eingeschränkt ist - aber, total gut mitmacht und alles gibt. Außer ihm kam nur noch eine weitere Schülerin, die nicht viel älter ist als ich. Und jetzt? Wie mache ich das? Super, dass ich jetzt da jetzt so komplett unvorbereitet bin und irgendwie 1 ¼ Stunden mit 2 Leuten rumbringen muss. Von den 2 Leuten kann sich einer kaum bewegen und eine ist Mitte zwanzig und somit mit Abstand die Jüngste in allen Kursen. Zudem war es für mich natürlich auch komplett neu, dass ein Teilnehmer mit Bewegungseinschränkung im Kurs ist und ich nicht mal genau weiß, was er alles machen kann und was nicht. Dann wollte ich mich natürlich auch nicht dumm anstellen und nur einfache Sachen machen und ihn so am Ende auch noch "beleidigen", aber ich wollte auch nicht ständig vorher nachfragen, was möglich ist und was nicht. Ich war also völlig unbeholfen und überfordert.  Ich musste komplett improvisieren und mir dabei nicht anmerken lassen, wie unsicher ich bin. Irgendwie habe ich es geschafft, angeblich auch gut und die Entspannung sollte ja im Vordergrund stehen. Zuerst habe ich ein paar Übungen im Stehen gemacht, ihm einen Stuhl zur Hilfe hingestellt und ihr einige intensivere Variationen gezeigt. Danach habe ich überwiegend Übungen im Sitzen und Liegen gemacht, viele Zwischenentspannungen und eine längere, erholsame Endentspannung.

Aber ich muss ehrlich gestehen, ich war sehr froh, als ich diesen Kurs und somit dann auch den ganzen Tag endlich geschafft hatte. Kaum war ich daheim kam die Erkältung dann wirklich gleich raus und hat mich ziemlich lahmgelegt. 

 

Mein Fazit

Aus diesen Vertretungsstunden nehme ich sehr viel mit. Zum einen das Gefühl Leuten ohne viel etwas Gutes zu tun und mit auf den Weg zu geben. Das entspannte Gähnen und Strecken nach der Endentspannung, diese zufriedenen und fröhlichen Gesichtsausdrücke. Das ganze positive Feedback und die guten Wünsche für meinen Weg als Yogalehrerin. Die Dankbarkeit und Gemeinschaft. Auch für die ein oder anderen Herausforderung bin ich froh, denn so lerne ich persönlich oft am besten – wenn ich einfach ohne Vorwarnung eine bestimmte Situation meistern muss. Außerdem war ich mit jeder Stunde schon viel entspannter und habe wirklich Freude am Yoga unterrichten gefunden.

Nach all den theoretischen Informationen und Monaten in denen ich nur Schülerin und meine Lehrerin so selbstverständlich für mich war, war es für mich eine tolle Erfahrung endlich selbst unterrichten zu können. Natürlich war ich vorher auch wieder sehr aufgeregt und plötzlich sehr unsicher, ob es diesmal endlich die richtige Berufswahl für mich ist und ob ich überhaupt talentiert dafür bin. Abschließend kann ich sagen, dass ich mich nun darin bestätigt und sicher fühle, dass das der richtige Weg für mich ist. Jetzt freue ich mich umso mehr, wenn ich selbst bald anfange meine eigenen, neuen Kurse zu unterrichten :)