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Meine erste Yogastunde

Meine erste Yogastunde

Vorführstunde im Rahmen der Yogalehrerausbildung 800h BDY

Ich war jetzt fast ein Jahr lang der Meinung, dass ich eine Yogalehrerausbildung mit 400 Stunden (Unterrichtseinheiten) mache. Ich habe das auch jedem erzählt und überall hingeschrieben. Gewundert habe ich mich schon, wieso die Ausbildung dann 4 Jahre dauert. Ich mein okay, wir haben pro Jahr nur 7 Wochenende und eine Intensivwoche, aber schon nach 5 Wochenende hatten wir nach meinen Rechnungen schon 100 Stunden. Lange Rede, kurzer Unsinn: die Ausbildungen hat natürlich 800 Stunden.. und zwar schon die ganze Zeit.. und ich wusste das eigentlich auch :D

Aber kennt ihr das? Ihr denkt irgendwann, dass das so ist.. und selbst wenn ihr ab und zu daran zweifelt, überprüft ihr diesen Gedanken nicht. Um dann plötzlich zu merken, dass dieser Gedanke die ganze Zeit über falsch war!

Naja jedenfalls hat sich das jetzt geklärt und so macht auch alles ehrlich gesagt auf einmal viel mehr Sinn!

 Ich habe die ganze Zeit schon geplant ab nächstem Jahr Yogakurse zu geben – aber „nächstes Jahr“ ist immer soooo weit weg und alles noch Zukunftsmusik. Vor 2 Wochen hatten wir unser sechstes und somit für dieses Jahr das vorletzte Wochenende von der Yogalehrerausbildung. Nachdem ich in der darauffolgenden Woche zum ersten Mal drei Kurse meiner Yogalehrerin vertreten würde, sollte ich an diesem Wochenende als erste eine Vorführstunde machen. Jeder von uns muss im Rahmen der Yogalehrerausbildung innerhalb der Gruppe und in anderen BDY (Bund Deutscher Yogalehrer) zertifizierten Yogaschulen Vorführstunden halten. Ich habe schon viele Dinge in meinem Leben gemacht vor denen auch nervös war (Abitur, Prüfungen/Vorträge im Studium, (die ersten) Stadt– und Brauereiführungen, Vorstellungsgespräche, etc.) aber ich glaube ich war noch nie so aufgeregt! Ich wurde auch von allen gefragt, wieso genau eigentlich bin ich das?

Hier sind die drei Hauptgründe:

1. weiß jeder, dass das erste Mal von egal was immer total aufregend ist und man meistens einfach Angst davor hat

2. war das die erste Yogastunde, die ich überhaupt jemals gehalten habe und das dann vor meiner Lehrerin und 10 Damen, die auch die Ausbildung machen. Also nur Leute, die sich sehr gut mit Yoga(-Unterrichten) auskennen. Zudem bin ich auch noch das Küken in der Gruppe.

3. meine Yogalehrerin ist nach diesem Wochenende nach Indien geflogen und ich war fest der Meinung: wenn etwas schiefgeht, dann sitzt sie in Indien und bereut zu, dass ich jetzt ihre Kurse halte. Außerdem wird sie mich nie mehr darum bitten, ihre Kurse zu vertreten.
Alles totaler Unsinn, oder? Meinem Gehirn konnte ich das noch einigermaßen erklären, meinem Bauch(gefühl) aber leider nicht. Also war ich total unter Strom gestanden und habe über eine Woche verzweifelt versucht diese Vorführstunde vorzubereiten.

Dann war es endlich so weit und laut „Stundenplan“ wäre ich vor dem Mittagessen mit der Stunde an der Reihe gewesen, mit genügend Zeit für eine anschließenden Besprechung. Aber wann läuft mal was nach Plan? Zuerst haben wir zu lange über (wichtige) organisatorische Dinge gesprochen und dann wurde uns noch mitgeteilt, dass das Mittagessen früher fertig sein wird. Deswegen haben wir die zwei Vorträge, die eigentlich vor mir angesetzt waren auf nach dem Mittagessen verschoben und ich sollte gleich anfangen.. dementsprechend mit weniger Zeit. Das hat die Sache mit der Nervosität natürlich alles nicht sehr viel besser gemacht, aber ich konnte ja nichts daran ändern. Nachdem wir ja alle fortgeschrittene Yogis sind, hatte ich eine Stunde für Fortgeschrittene zusammengestellt. Dazu habe mich eine meine Yogaroutine, die ich meistens zuhause mache gehalten, um mich sicherer zu fühlen. Einige dieser Übungen und Vinyasas/Flows hatte ich auch schon mit meiner Mutter im Urlaub gemacht und sie hatte keine Schwierigkeiten damit. Außerdem haben wir bei der Yogalehrerausbildung auch Yogastunden mit einem indischen Physiotherapeuten und da komme selbst ich manchmal an meine Grenzen – also war das Niveau meiner Stunde niedriger und daher sollte sie für alle aus der Gruppe machbar sein

Wie ich mich gefühlt habe und was mir aufgefallen ist

Alles, aber wirklich alles wirkt anders, wenn man auf einmal vor der Gruppe steht und nicht wie gewohnt mit allen anderen in dieselbe Richtung schaut. Schlimmer noch, dass einen jetzt alle gemeinsam so furchtbar erwartungsvoll anschauen. Mir ist es sehr schwierig gefallen zu differenzieren, was ich jetzt erzähle/erkläre und was nicht; in meinem Kopf haben sich die Gedanken und Informationen nämlich schon wieder überschlagen. Erkläre ich genug? Erkläre ich zu wenig? Rede ich zu laut? Rede ich laut genug? Was kommt als nächstes? Wie viele Wiederholungen noch? Neben all den Gedanken habe ich wie so oft wieder angefangen viel zu schnell zu reden und dementsprechend schnell bin ich dann auch durch die ganzen Asanas gesprintet. Wahrscheinlich in der Hoffnung, dass es so schneller vorbeigeht. Außerdem hatte ich ständig die Uhr im Blick und die Leute vom Catering, die draußen in meinem Blickfeld schon ganz das Mittagessen auf die Tische gestellt haben. Nette Leute von einer Sozialhilfsorganisation.. die es aber gar nicht mögen, wenn man nicht pünktlich isst. Neben mir meine Liste mit den ganzen Asanas, die ich eigentlich noch machen wollte und die auch wichtig für den Verlauf der Stunde waren.

Dann endlich Savasana – die Endentspannung. Endlich konnte ich alle hinlegen lassen, ein paar Minuten die Klappe halten und verschnaufen. Aber dann war alles so ruhig und alle haben so entspannt geatmet. Wann soll ich jetzt wieder anfangen zu reden? Was genau soll ich sagen? Der Satz den ich aufgeschrieben habe – ist der nicht total dämlich? Lieber doch erst ein Zitat? Wie laut muss ich reden? Ich habe also ein paar Mal den Mund auf und wieder zu gemacht und dabei wahrscheinlich ausgesehen, wie ein Fisch an der Luft. Irgendwann habe ich dann die Stille durchbrochen und es war gar nicht so schlimm. Geschafft, endlich habe ich die Stunde geschafft, vor der ich solche Angst hatte.

Jetzt war’s mir eigentlich auch egal, wie das Feedback ausfällt. Und außerdem hatte ich langsam echt Hunger!

 

Das Feedback

Eine der Damen ist beim Üben nicht so ganz mitgekommen. Leider war sie genau vor mir gelegen und hat mich so auch noch nervöser gemacht. Was mich eigentlich gewundert hat, weil sie eine von den jüngeren ist und alle anderen ja rect gut mitgekommen sind. Also war es nicht verwunderlich, dass wir alle noch nicht richtig gesessen waren und sie schon die Feedbackrunde eröffnet hat. Mööööp. „Zu schnell geredet, zu schnell die Asanas gemacht und überhaupt viel zu anspruchsvoll und anstrengend.“ Also vorher wurde gesagt, dass keine Kritik geübt werden, sondern respektvoll besprochen werden soll, wie die Stunde empfunden wurde. Fand ich jetzt gar nicht so cool, dass diese tolle Runde so anfängt aber okay.. man wächst ja an seinen Herausforderungen, oder? Dann habe ich mich für das Feedback bedankt und erklärt, dass es mein Ziel war eine herausfordernde Yogastunde für Fortgeschrittene zu halten, die energetisierend und vielleicht auch ein bisschen anstrengend sein sollte. Das mit dem zu schnell reden und durch die Übungen führen hatte ich ja selbst schon gemerkt (s.o.). Ich kann euch gar nicht mehr so ganz genau sagen, was überhaupt gesagt wurde, weil dann doch alles ein bisschen viel auf einmal war.

Es gab aber natürlich auch Zuspruch. "Mal was Neues und Erfrischendes, die Vinyasas gut waren, neue Ansätze, herausfordernd, schön durch die Entspannung geleitet". Nach dem Essen hat mich meine Yogalehrerin nochmal zu einem Einzelgespräch geholt. Leider kennt ihr meine Yogalehrerin nicht, aber ich glaube sie ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen oder zu schockieren. Erstmal hat sie gefragt, wie ich das Feedback aufgenommen habe und ob es zu „schlimm“ gewesen wäre. Sie hat noch ein paar Punkte angesprochen, die aber eigentlich vorher schon gesagt wurden. „Für das erste Mal war es gut und das ist alles Übungssache. Ich finde es sehr gut, dass du nicht einfach nachgemacht hast und den Mut hattest, mal was Neues auszuprobieren. Du packst das, da mache ich mir überhaupt keine Sorgen! Wenn du jetzt meine Kurse vertrittst, brauchst du dich auch nicht hinter mir zu verstecken – du musst deinen eigenen Stil finden zu unterrichten, du bist eine eigene Yogalehrerin.“

 

 Fazit und was ich für mich mitgenommen habe

Ich war an diesem Tag und überhaupt in dieser Ausbildung die zweite, die eine Vorführstunde gehalten hat. Das Thema Didaktik wurde vorher nur mal kurz angefangen und erst an dem Wochenende, nach unseren Vorführstunden weiter besprochen wurde. Außerdem bin ich das Küken in der Gruppe und habe noch keinerlei Erfahrung im Halten von (Yoga–)kursen. Dafür bin ich sehr zufrieden mit dieser Stunde, die ich vor lauter erfahrenen Yogis gehalten habe. Ich muss zugeben, dass es mich ein bisschen geärgert hat, dass sich meine eine Kollegin meinem Gefühl nach nicht so richtig auf diese Stunde eingelassen hat. Meine Art zu unterrichten war neu für sie (für alle) und das verstehe ich – aber ich hätte mir gewünscht, dass sie es (wie die anderen) besser probiert hätte, anstatt ständig abzubrechen und mir vorwurfsvoll anzuschauen. Vielleicht habe ich das auch etwas zu „schlimm“ interpretiert, aber Gefühle kann man halt nicht lenken.

Alles in allem bin ich froh, dass nicht alles glatt gelaufen ist und ich auch Fehler gemacht habe, die ich so sicherlich nicht wiederholen werde. Und Fehler müssen gemacht werden, damit man aus ihnen lernen kann.

Wobei das Wort Fehler hier auch nicht ganz richtig ist, aber ich denke ihr wisst was ich meine :)